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Dienstag, 22.09.2009, 17.01 Uhr

ABC der Nahrungsergänzungsmittel: Algen

Ein Zuviel an Jod kann die Gesundheit schädigen

Algen
Es gibt dutzende verschiedener Arten von Salzwasseralgen, die zur Herstellung der Nahrungsergänzungsmittel Verwendung finden.
(Foto: sxc.hu)

Salzwasseralgen werden in Deutschland nicht nur als Bestandteil von Sushi verkauft, dessen Popularität in den letzten Jahren extrem gestiegen ist, sondern auch als Nahrungsergänzungsmittel. Die Hersteller bewerben ihre Präparate mit dem Versprechen, dass die Meeresgewächse die Ernährung vor allem um eins bereichern können: Jod. Und davon ist tatsächlich reichlich in den getrockneten Algen enthalten - manchmal jedoch sogar zu viel.

Ob Braunalgen, Rotalgen oder Grünalgen, in den Weltmeeren wachsen die Wasserpflanzen in vielen verschiedenen Farben. Als Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel finden bei den Salwassergewächsen unter anderem die unter ihrer japanischen Küchenbezeichnung bekannt gewordenen Braunalgenarten Arame, Wakame Hijiki und Kombu Verwendung. Sie werden auch unter dem Oberbegriff Seetang vertrieben.

Werbeversprechen
der Anbieter

Getrocknete Algen, egal ob in Blattform, als Presslinge, Pillen oder Pulver gelten als Nährstofflieferanten, etwa von Mineralstoffen, Proteinen, sekundären Pflanzenstoffen und Spurenelementen. Die Hersteller heben in ihren Werbebotschaften jedoch besonders den hohen Jodgehalt ihrer Produkte hervor, denn Deutschland ist ein Jodmangelgebiet. Und das Wassergewächs enthält tatsächlich große Mengen des Spurenelements. Das Problem: der Jodgehalt in den Produkten schwankt erheblich und kann vor allem für Menschen mit Jodmangel zum gesundheitlichen Problem werden.

Gesundheitliche Risiken

Der Jodgehalt getrockneter Algen kann zwischen fünf und 11.000 Milligramm pro Kilogramm liegen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt Jugendlichen und Erwachsenen jedoch nur eine tägliche Jodzufuhr von insgesamt 180 bis 200 Mikrogramm (µg).

Denn eine Überdosis Jod kann Risiken für die Gesundheit bergen. Vor allem bei älteren Menschen, die unter Jodmangel leiden, bilden sich in der Schilddrüse häufig sogenannte autonome Zentren. Werden diese autonomen Zentren durch ein plötzliches Überangebot an Jod aktiviert, kann dies zu einer lebensbedrohlichen Überfunktion der Schilddrüse führen, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Andererseits kann ein Überangebot an Jod bei einer normalen Schilddrüsenfunktion die Synthese von Schilddrüsenhormonen hemmen, aus der eine Unterfunktion und die Ausbildung eines Kropfes resultieren können.

Empfohlene Tageshöchstmenge

Das BfR empfiehlt Verbrauchern deshalb, eine Zufuhr von 500 µg Jod pro Tag aus Vorsorgegründen nicht zu überschreiten. Für Nahrungsergänzungsmittel hat es eine Obergrenze von 100 µg pro Tag empfohlen. Algenprodukte mit mehr als 20 Milligramm Jod pro Kilogramm Trockenmasse hält das Institut aus Gründen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes für nicht verkehrsfähig. Es plädiert für die Festsetzung von Höchstmengen auf europäischer Ebene und die obligatorische Kennzeichnung des Jodgehaltes.

Auch Sushi-Produkte können Arsen enthalten

Bislang können die Hersteller selber entscheiden, ob sie den Konsumenten über den Jodgehalt in ihrem Produkt informieren möchten. Kontrolliert werden die in Deutschland vertriebenen Algenpräparate von den Lebensmittelüberwachungsbehörden der Länder. Auf Anfrage von konsumo.de warf das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW einen Blick in seine Datenbanken. Die Schnellabfrage ergab: "In NRW sind seit 2004 172 Algenprodukte auf verschiedene Parameter (mit Schwerpunkt Jod, Arsen, Metalle) untersucht worden. Davon wurden 16 Prozent beanstandet". Die Gründe dafür lagen oftmals bei den zu sehr schwankenden Gehalten an Jod, aber auch an Arsen. Das fand sich, genau wie Überdosen Jod, auch in den 297 untersuchten Sushi-Erzeugnissen.

Sushi: Algenblätter lange einweichen

Um eine gesundheitliche Gefährdung auszuschließen, rät das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW nur zu Produkten, auf denen der Jodgehalt angegeben wird. Zudem sollten sich Verbraucher bei getrocknete Algenblättern, die auch zur Herstellung von Sushi verwendet werden, genau an die Zubereitungshinweise halten. Denn beim Einweichen der Blätter in Wasser, wird ein großer Anteil des Jods und Arsens an das Einweichwasser abgegeben und landet im Abfluss statt im Magen.

konsumo.de stellt in der Rubrik "ABC der Nahrungsergänzungsmittel" regelmäßig Nahrungsergänzungmittel mitsamt ihren Vor- und Nachteilen vor. Hier finden Sie einen Überblick über die bisher erschienenen Artikel. CS


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