Dienstag, 26.08.2008, 11.59 Uhr

Studie: Killerspiele sind nicht generell schädlich

Computerspiele haben großen Einfluss auf das Sozialverhalten

Computerspiele
Eltern sollten den Medienkonsum ihrer Kinder beobachten.
(Foto: © daniel stricker/PIXELIO)

Der intensive Konsum von so genannten Killer-Computerspielen kann bei Jugendlichen zu erhöhter Gewaltbereitschaft führen, muss er aber nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Erziehungswissenschaftlern und Psychologen der Universität Tübingen. Aber: "Computerspiele mit Gewaltinhalten führen öfter zu erhöhten Aggressivitätsleveln als beispielsweise das Ansehen von Horror- oder Gewaltfilmen", erklärt Günter L. Huber, Professor für Pädagogische Psychologie.

Der Professor warnt davor, Computerspiele allein für aggressive Jugendliche verantwortlich zu machen. "Es handelt sich bei den Ursachen für Aggressivität vielmehr um ein Quintett an Faktoren, in dem der Medienkonsum aber eine Schlüsselrolle einnimmt", so Huber. Die eigene Persönlichkeit, das Verhältnis zu Familie und Freunden, aber auch schulische Leistungen spielen eine wichtige Rolle.

Die soziale Umgebung ist entscheidend


"Wer in einem Elternhaus aufwächst, in dem Gewalt an der Tagesordnung ist, ist für Gewalt in Medien anfälliger", meint Huber. "Umgekehrt werden die Einflüsse von medialer Gewalt in sehr harmonischen und liebevollen Familien stark abgefedert."

Die Forscher untersuchten in ihrer zweijährigen Studie 1400 Schüler im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren. In der ersten Phase wurden die Jugendlichen befragt, in welchem Umfang und welche Medien sie seit ihrem sechsten Lebensjahr konsumieren. In einer zweiten Welle zwei Jahre später stellten die Forscher Fragen zu den Themen Aggressionsverhalten, Notenentwicklung und soziale Kompetenzen. "Das Ergebnis war eindeutig. Wer viele gewalttätige Computerspiele spielte, wurde auch im realen Leben aggressiver", erläutert Huber.

Differenzierung zwischen Realität und Spiel nötig


Damit widerlegten die Tübinger Forscher die Theorie, dass "Zocker" ihre aufgestaute Gewalt im Computerspiel ablassen und in Realität dann auf Gewalt verzichten würden. "Die Jugendlichen spielen sich in einen Rausch und sind in ihrer Welt Helden", fährt Huber fort. Wenn sie nach ein paar Stunden Computerspiel dann den Weg wieder zurück ins reale Leben finden, wieder in soziale Gruppen eingebunden werden, sei dies nicht einmal schädlich. Denn über die Erfolge im Spiel können sie sich Selbstbewusstsein holen.

Problematisch werde es erst, wenn dieser Absprung nicht mehr geschafft werde und Raum und Zeit durch das Spiel vollkommen in den Hintergrund rücken würden. "Das ist im Gegensatz zu Gewalt- und Horrorfilmen genau das Problem an derartigen Spielen. Denn die Jugendlichen schalten oftmals nicht nach 90 Minuten ab und gehen danach ihrem sonstigen Leben nach - sondern die Spiele sind teilweise ihr Leben", so der Forscher.

Eltern und Schulen stehen in der Verantwortung

Ein Verbot für Killerspiele sei für den Forscher der falsche Weg. "Viel wichtiger ist, dass die bestehenden Gesetze eingehalten werden und nur die Leute die Spiele in die Hand bekommen, die dafür auch alt genug sind", sagt Huber. Zudem appelliert er an Eltern und Schule sich intensiver mit der Materie Medienkonsum auseinander zu setzen.

Den Medienkonsum der Kinder beobachten

"Die Eltern sollten wissen, was auf dem Fernseher ihrer Kinder läuft und was sie stundenlang spielen", so Huber. Denn gerade das Alter zwischen zwölf und 15 Jahren sei für Jugendliche ein ganz besonders wichtiges." In diesem Alter werden tiefgreifende Wurzeln für die zukünftige Entwicklung gelegt und die Kinder sind noch sehr beeinflussbar", erläutert Huber. In dieser Phase sollten Eltern besonders darauf achten, welche Filme und Spiele ihre Kinder konsumieren. pte/TN

Wenn Sie wissen wollen, was beim Kauf eines Computerspiels zu beachten ist, lesen Sie bitte den konsumo-Ratgeber "Computerspiel".

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