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Kontroverse um Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln
Lebensmittelindustrie fordert Klarheit für Verbraucher
(Foto: ©BMELV.de)
Gentechnisch veränderte Lebensmittel sind umstritten. Deshalb wollen viele Verbraucher wissen, ob sich in ihrem Warenkob genmanipulierte Lebensmittel befinden. Die geltende EU-Kennzeichnungspflicht und das freiwillige Siegel "Ohne Gentechnik" gehen Verbraucherschützern nicht weit genug. Nach jahrelangem Boykott einer Kennzeichnungspflicht setzt sich nun auch die Lebenmittelbranche für mehr Transparenz ein: Sie fordert eine klare Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln.
Seit April 2004 müssen laut EU-Verordnung in Europa alle Lebens- und Futtermittel, bei denen zumindest ein Bestandteil aus gentechnisch veränderter Produktion stammt, gekennzeichnet werden. Ausgenommen von der Kennzeichnungspflicht sind Fleisch, Eier und Milchprodukte von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Futtermittel gefüttert wurden.
„Ohne Gentechnik“-Siegel ohne Glaubwürdigkeit
Seit Mai 2008 gibt es in Deutschland als Ergänzung der EU-Regelung die freiwillige Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“. Dieses Siegel konnte sich bisher aber kaum durchsetzen. Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL) zieht insgesamt eine negative Bilanz: Die laschen Regelungen führten zu einer Irreführung der Verbraucher.
So sei der Einsatz gentechnisch hergestellter Verarbeitungshilfsstoffe, Enzyme, Aminosäuren und Vitamine im Tierfutter ebenso zulässig wie die Verwendung gentechnisch veränderter Futtermittel vor den gesetzlich vorgegebenen Sperrfristen. Die mangelnde Akzeptanz bei Herstellern und Verbrauchern sei daher auf die geringe Glaubwürdigkeit zurückzuführen.
Lebensmittelindustrie fordert "Mit-Gentechnik"-Kennzeichung
Vor diesem Hintergrund hat sich die Ernährungsindustrie nun für eine eindeutige Kennzeichnung von Genlebensmitteln ausgesprochen. Die Branche sei dafür, gentechnisch veränderte Produkte "positiv zu kennzeichnen", sagte der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Matthias Horst. Die Industrie vollzieht damit einen Richtungswechsel, nachdem sie jahrelang gegen eine solche Kennzeichnung war. Die Forderung: Wo Gentechnik drin sei, müsse das in Zukunft auch draufstehen, etwa in form eines "Mit-Gentechnik"-Siegels.
Kritik: Positive Kennzeichnung verhilft Gentechnik zum Durchbruch
Kritisch aufgenommen wurden die Forderungen der Lebensmittelindustrie vom Naturschutzbund BUND. Der BUND kritisierte, die Branche wolle damit Gennahrung nicht reduzieren, sondern ihr im Gegenteil zum Durchbruch verhelfen. BUND-Gentechnik-Expertin Heike Moldenhauer bezweifelt, dass die Lebensmittelindustrie tatsächlich für mehr Transparenz eintritt.
Sie befürchtet: Würde die Kennzeichnung rasch eingeführt, "wären die Regale im Handel auf einmal voll mit Gentechnik-Labels", da viele Nahrungsprodukte schon heute zumindest indirekt Kontakt mit Gentechnik hätten. Die Einführung eines "Mit Gentechnik"-Siegels käme deswegen "einer Überrumpelung der Verbraucher gleich, sie könnten dann nicht mehr ausweichen". MA
Mehr zu diesem Thema auf konsumo.de:
Siegel-Kunde: "Ohne Gentechnik"-Label
Siegel-Kunde: "Ohne Gentechnik" erlaubt ein bißchen Gentechnik
Weitere Informationen unter:
- Homepage der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie
- Homepage des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL)
- Homepage des BUND
- Produktliste der Verbraucherzentrale Hamburg für Lebensmittel mit dem "ohne Gentechnik"-Siegel
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